Muttertag 2013

Im Heu oben im Dachboden lag eine Katzenmutter mit ihren beiden Jungen. Die Kinder waren erst vor einigen Tagen zur Welt gekommen und sie waren noch sehr hilflos - kleine Pfoten hatten sie, die immer ausrutschten, und unverhältnismäßig große Köpfe mit blinden Augen, die sich suchend im Bauch der Mutter vergruben. Sehr sonderbar sahen sie aus. Aber die Katzenmama fand sie wunderschön, denn es waren ja ihre Kinder - das eine grau und schwarz getigert, wie sie selbst, eine Schönheit also, wie man wohl ohne falsche Bescheidenheit sagen durfte.

Das andere sah aus wie sein Vater. Dieser war bunt mit weißen Hosen und weißen Pfoten und außerdem hatte er einen Punkt auf der Nase. Er konnte wirklich gut singen. Wie hatten sie beide so herrlich zusammen gesungen an den ersten Märzabenden im Garten, zweistimmig, viele hübsche Lieder . . . Sehr begreiflich, dass die Kinder mit den kleinen rutschenden Pfoten und den großen Köpfen so prachtvolle Geschöpfe geworden waren, nicht nur Katzen, was an sich schon der Gipfelpunkt ist, wie jeder weiß, nein, Katzenkinder, wie sie die Erde noch nicht gesehen hat! Die Katzenmutter reckte sich stolz in die Höhe und betrachtete liebevoll schnurrend die kleinen Wunder da vor ihr im Stroh.

Diese warme Bodenkammer schien übrigens in jeder Hinsicht der richtige Ort zu sein, still und unbehelligt. Ein weicher heugefüllter Korb, warm und überaus geeignet für die ersten Kletterversuche, viele Antiquitäten und alte Dinge ringsherum, voller Spannungen und Möglichkeiten zum Verstecken und Entdecken, freundlich vom Maimond beleuchtet, der durch die Fenster lugte, viel Platz zum Spielen, und dann - welch ein berühmtes Mausrevier, welch ein großes Gebiet zur sachgemäßen Ausbildung der beruflichen Fähigkeiten!

"Ich sollte mich selbst mal nach Mäusen umsehen", sagte die Katze, "die Kleinen ruhen und ein wenig Abwechslung würde mir gut tun, Kinderpflege ist anstrengend und ich habe Hunger."

Die Katze erhob sich, beleckte schnell noch einmal ihre Kinder und strich dann auf leisen Pfoten, schnuppernd, an Kisten und Gerümpel vorbei. Es hatte doch, auch wenn man allmählich etwas in die Jahre gekommen war, immer noch etwas tolles Aufregendes, so nach Mäusen zu jagen. Und jetzt - raschelte da nicht jemand? Roch es nicht so lecker nach Mäusen? War das nicht der feine Duft, unverkennbar für eine kätzliche Nase? Noch einige vorsichtige Schritte, auf Samtpfötchen - niemand machte ihr das nach - und dann stand sie vor einem Mäusenest, in dem zwei kleine nackte Junge lagen.

"Bloß Junge?" dachte die Katze, "da wären die Samtpfötchen überflüssig gewesen, die können weder laufen noch sehen. Es lohnt überhaupt kaum, zwei kleine Bissen, weiter nichts. Aber man kann ja immerhin, zur Stärkung sozusagen . . . " Sie wollte zupacken. Aber etwas in ihr redete.

"Genauso wie deine Kinder können Sie noch nichts sehen und auch noch nicht laufen. Sie sind ganz und gar hilflos und die Mutter wird wohl nicht mehr am leben sein. Sie sind so unbeschützt wie deine Kinder, wenn du nicht da bist. Es sind zwar Mäuse. Aber es sind Babymäuse!"

Es war die Mutterliebe, die redete, und in ihr redete die Allliebe, ihr künftiger Geist. Er kann nur reden in einer Mutterliebe, die sehr mächtig ist, so mächtig wie die Mutterliebe einer Katze, denn sie ist eine der größten.

"Du weißt doch, was Kinder sind?" fragte die Stimme. Die Katze beugte sich herunter, schnappte die eine kleine Maus vorsichtig mit den Zähnen und trug sie in ihr gemütliches Strohnest. Anschließend ging sie zurück und holte das andere Junge. Beide wurde von ihr mit ihren beiden Katzenbabys gesäugt.

Fast hätten die kleinen Mäuse nicht überlebt, weil Sie völlig durchgefroren waren, aber die Katze wärmte die beiden Babymäuse. Und sie waren auch halb verhungert, aber die Katze, versorgte Sie mit Muttermilch. Bald schon fühlten sich die Babymäuse sehr geborgen bei der Katzenmutter, ohne zu ahnen, von wem sie da eigentlich umsorgt werden. Wie sollten sie das wissen? Sie waren blind und hilflos. Über ihnen lag schützend die krallenlose, weiche, samtene Katzenpfote.

Bald schon wurden die Kinder größer, öffneten ihre Augen und machten die ersten Gehversuche. Sie wurden mit der gleichen Mutterliebe versorgt und spielten zusammen in der Maisonne.

Es ist dies eine wahre Geschichte. Sie ist nur klein und doch ist sie sehr groß. Es ward eine neue Welt in ihr geboren von einem kleinen Geschöpf und in einer ärmlichen Dachkammer. Es wird auch nicht immer so sein, noch lange nicht, aber es ist ein großes Ereignis, dass dies geschehen ist. Die Gesetze der alten Welt sind stark und schwer, aber sie werden überwunden Stufe um Stufe, denn die Allliebe ist eine lebendige Kraft in der Seele dieser Erde. Langsam, sehr langsam wird die neue Welt aus der alten geboren, und das geschah schon oft in einer ärmlichen Dachkammer, und die Menschen wussten nichts davon.
Die Menschen wissen so wenig, und am wenigsten wissen die, welche am meisten zu wissen meinen. Aber glaube, dass auch Tiere in ihrer Not eine Macht anrufen, die über ihnen ist - und wenn diese Katze bitten würde, die Mutter Gottes würde sie vor allen anderen erhören.
Die Maisonne wusste, was die Menschen nicht wissen. Denn sie wob einen goldenen Schein um den Kopf der Katzenmutter.

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