LHStv. Mag. Franz Steindl - Bgm DI Gerald Hüller

Lehrlinge sind unsere Zukunft - Besuch Firma Werfring


Landeshauptmann-Stv. Mag. Franz Steindl nimmt den heutigen „Tag der Lehre“ zum Anlass, um auf die Bedeutung der Lehre aufmerksam zu machen und dafür zu werben. Bereits zum fünften Mal findet der „Tag der Lehre“ auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend unter Minister Reinhold Mitterlehner statt. „Die Lehrlinge von heute sind die Facharbeiter von morgen. Qualifizierung entscheidet über die Sicherheit des Arbeitsplatzes, über die Perspektiven und Chancen junger Menschen. Qualifizierte Fachkräfte sind auch für die wirtschaftliche Entwicklung notwendig und damit wir weiterhin im Wettbewerb bestehen können“, betont LH-Stv. Steindl. Mit einem konkreten Maßnahmenpaket will er die Lehre als Ausbildung der Zukunft positionieren und dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken.



„Mit dem demographischen Wandel sind wir in den nächsten Jahren mit einem spürbaren Fachkräftemangel konfrontiert, den wir nur durch verstärkte Lehrlingsausbildung kompensieren können. Daher ist der ‚Tag der Lehre‘ ein guter Anlass, um auf die Wichtigkeit des Lehrberufes auch als Ausbildung für die Zukunft zu werben“, so LH-Stv. Mag. Franz Steindl.
Aktuelle Studien, wie der „Mittelstandsbarometer 2011“ der Beratungsagentur Ernst & Young, gehen davon aus, dass künftig Facharbeiter Mangelware sein werden. 74 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits jetzt Schwierigkeiten, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. 66 Prozent gehen davon aus, dass sich diese Situation noch zuspitzen wird.
„Dieser Fachkräftemangel kann zu einem erheblichen Problem für unsere Klein- und Mittelbetriebe werden. Daher gilt es, aktiv gegenzusteuern und die Lehre als attraktiven Bildungsweg für Jugendliche zu positionieren, denn das Wissen, die Fertigkeiten und die Kompetenzen der FacharbeiterInnen sind ein wichtiger Grundstein zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der burgenländischen Wirtschaft“, so Steindl. 88,1 Prozent der burgenländischen Unternehmen beschäftigen weniger als 9 Mitarbeiter, erwirtschaften jedoch ein Viertel der Bruttowertschöpfung.

3 konkrete Maßnahmen gegen Facharbeitermangel
„Als Wirtschafts- und Jugendreferent liegt mir viel daran, der Wirtschaft die Facharbeiter zu sichern und gleichzeitig der Jugend Zukunft durch eine fundierte Ausbildung zu geben. Daher will ich mit drei konkreten Maßnahmen die Lehre als Ausbildung mit Zukunft sichern und gleichzeitig dem drohenden Facharbeitermangel vorbeugen“, betont Steindl.
1. Höherqualifizierung von heimischen Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden
2. Anreize für Wirtschaft, mehr Lehrlinge auszubilden und Bewusstseinsbildung
3. Hebung des faktischen Pensionsantrittsalters

Aus- und Weiterbildung fördern
„Seit Anfang 2010 fördern wir im Rahmen der ‚Burgenländischen Aus- und Weiterbildungsinitiative‘ Unternehmer, Fach- und Führungskräfte, die ihre Qualifikation heben wollen“, verweist Steindl auf die WIBAG-Initiative, die Bildungsmaßnahmen fördert.
Für KMUs heißt das zum Beispiel konkret: Der Chef eines Installateurbetriebes mit 7 Angestellten und 2 Lehrlingen will sich, um auf aktuelle Trends zu reagieren und wettbewerbsfähig zu bleiben, weiterbilden. Er melde sich selbst und einen leitenden Mitarbeiter zum WIFI-Kurs „Ausbildung zum zertifizierten Solateur“ an. Dieser Kurs kostet pro Person 2.990 Euro. Die WIBAG übernimmt bei Bildungskosten bis 7.499,99 Euro 75 Prozent der Kosten. Im konkreten Fall sind das 2.242,50 Euro, der Chef des KMUs übernimmt die Restkosten von 747,50 Euro.
Im Rahmen des Phasing-Out-Programms der EU stehen insgesamt rund 115 Millionen Euro für Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung.

Anreize für Wirtschaft schaffen, Bewusstseinsbildung
Im Jahr 2010 gab es im Burgenland insgesamt 3.039 Lehrlinge, die ihre Lehre in einem der 1.101 Lehrbetriebe absolvierten und absolvieren. Dass die Anzahl der Lehrlinge und Lehrbetriebe sinkt, zeigt sich daran, dass es im Jahr 1990 noch 1.541 Betriebe gab, die 4.045 Lehrlinge ausbildeten. Kamen 1990 auf 555 offene Lehrstellen noch 144 Lehrstellensuchende, hat sich diese Zahl komplett geändert. 2010 suchten 181 Jugendliche eine Lehrstelle, es gab allerdings nur 67. „Um die Zahl der Lehrstätten wieder zu fördern, gilt es, die richtigen Maßnahmen zu setzen. Anreize für die Wirtschaft, wieder mehr Lehrlinge auszubilden sind ebenso wichtig, wie die Bewusstseinsbildung für die Wichtigkeit des Lehrberufes“, so Steindl.
Seit Ende 2009 ist Lehre keine Bildungseinbahn mehr. Mit der „Lehre mit Matura“ können Jugendliche die Reifeprüfung während der Lehrzeit abschließen und so ein weiterführendes Studium beginnen.

Das Land Burgenland fördert bereits jetzt schon jene Betriebe, die ihren Lehrlingen die „Lehre mit Matura“ ermöglichen mit insgesamt 2.500 Euro, davon im ersten, zweiten und dritten Lehrjahr mit jeweils 500 Euro, im vierten und sehr prüfungsintensiven Jahr mit 1.000 Euro.
„Außerdem bietet die Wirtschaftskammer eine Vielzahl von Förderungen für Betriebe an, die Lehrlinge ausbilden. Neben der Basisförderung, wo die WKÖ, monatlich gestaffelt, die Lehrlingsentschädigung übernimmt, gibt es auch spezielle Förderungen für Betriebe, die Mädchen in den sogenannten ‚Männerberufen’ fördern oder die Lehrlinge mit Lernschwierigkeiten ausbilden. Die Bandbreite der finanziellen Unterstützung durch das Land und die Wirtschaftskammer ist groß. Wir müssen auch den Unternehmen klarmachen, dass sie ohne qualifizierte Facharbeiter in Zukunft nicht bestehen werden können“, betont Steindl.

Faktisches Pensionsantrittsalter heben
Derzeit gehen österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit durchschnittlich 58 Jahren in Pension, Beamte mit 60 Jahren. „Das faktische Pensionsantrittsalter liegt etwa sechs bis sieben Jahre unter dem gesetzlich vorgesehenen Antrittsalter bei Männern. Dies verursacht nicht nur hohe Kosten für unser Pensionssystem, sondern nimmt der Wirtschaft auch die Facharbeiter“, so Steindl, der auf eine aktuelle Studie der Wirtschaftskammer verweist. Diese zeigt, dass man die drohende Fachkräfte-Lücke allein dadurch schließen könnte, würde man die Arbeitszeit um zwei Jahre verlängern. Das Anreizmodell der Wirtschaftskammer sieht vor, dass Fachkräfte, die trotz Pensionsanspruch noch in Beschäftigung bleiben, 25 Prozent ihrer Pension zusätzlich zum Lohn erhalten. „Durch diese Maßnahme ersparen sich die Pensionsversicherungsanstalten 50 Prozent der Pensionszahlung und die Unternehmer profitieren durch erfahrene Mitarbeiter, die außerdem den Betrieb kennen. Das bringt eine Win-Win-Situation für alle Seiten“, so Steindl.

Das Landesjugendreferat (LJR) stellt rund um den „Tag der Lehre“ Tipps und nützliche Links für Auszubildende auf der Homepage www.ljr.at zur Verfügung. Dabei kann man sich informieren, austauschen und auch an Gewinnspielen teilnehmen.
In Kooperation mit der Wirtschaftskammer ist beim LJR auch die „AlphaCard“ erhältlich. Die kostenlose Vorteilskarte für Jugendliche zwischen 14 und 24 ist auch in einer Lehrlingsedition erhältlich. Diese gilt als gesetzlicher Altersnachweis und kombinierter Lehrlingsausweis.

„Die Lehre ist eine Ausbildung mit Zukunft und wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, krisensicher. Mit dem Maßnahmenpaket aus Aus- und Weiterbildung zu fördern, Anreize für Lehrbetriebe schaffen und das Bewusstsein der Jugendlichen Richtung Lehrberuf zu schärfen und das faktische Pensionsantrittsalter zu heben, können wir die Lehre als attraktive Ausbildungsform positionieren und den drohenden Fachkräftemangel weitestgehend reduzieren“, so Steindl.

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