Gedenkfeier - 100 Todestag Eduard Suess -

Vor genau 100. Jahren, am 26. April 1914, verstarb der große Geologe Prof. Eduard Sueß, ein berühmter Bürger von Marz. 

Anläßlich dieses Jubiläums wurde vergangenen Samstag vom Marzer Kreis ein Abend zum Gedenken dieses großen Wissenschaftlers organisiert. Die Bevölkerung war herzlichst eingeladen, in der Marzer Pfarrkirche der Gedächtnismesse beizuwohnen. Anschließend hielten Sabine Buchinger und Johann Biribauer, Mitglieder des Marzer Kreises, einen kurzen biographischen Rückblick und berichteten über die einzelnen Lebensabschnitte Sueß'. Anhand von Zitaten und niedergeschriebenen Erinnerungen gaben sie Einblicke in sein persönliches Leben, erzählten von seiner Vorliebe zur Paläontologie, seiner Studienzeit, seinem Familiensinn, seiner Tätigkeit als Professor an der Universität 'Wien usw. Danach wurde am Grab eine Gedenkfeier abgehalten. Bgmst. WHR DI Gerald Hüller hielt eine Rede und veranschaulichte Sueß' Leistung in Zusammenhang mit der Errichtung der Wiener Hochquellwasserleitung und legte am Grab Blumen nieder. Mit  Worten des Dankes für die Organisatoren durch einen Urenkel von Eduard Sueß, Dr. Georg Titscher, und den Klängen der burgenländischen Landeshymne ging die Gedenkfeier zu Ende. Den schönen Abend ließ man, auf Einladung der Gemeinde Marz, mit einem gemütlichen Beisammensein in den Räumlichkeiten des Senioren Treffs ausklingen.

Sabine Buchinger ( Marzer Kreis)

Wer war Eduard Suess?. Der Wissenschaftler, der Wien sauberes Wasser schenkte und die Atmosphäre "erfand".

Er ist dem Vergessen anheim gefallen, obwohl er etwas so Wichtiges wie die 1. Wiener Hochquellleitung durchgesetzt und gebaut hat. Er war vielseitig: Paradewissenschaftler, Präsident der Akademie der Wissenschaften, Politiker – das unter einen Hut zu bringen, war schon ein Wunder." Wenn Lois Lammerhuber über Eduard Suess zu referieren beginnt, kommt er sofort ins Schwärmen. Nicht von ungefähr: Der Fotograf von Weltruf hat sich rechtzeitig zum 100. Todestag von Suess am 26. April auf die Spuren des vergessenen österreichischen Wissenschaftlers begeben.Passenderweise fällt dieser Todestag mit dem Geologen-Kongress zusammen, zu dem ab Sonntag 10.000 Forscher in Wien erwartet werden. Und da will man den Vater der modernen Geologie vor den Vorhang holen und ein Buch ("The Face of the Earth") präsentieren. Lammerhuber ist für die Fotos um die Welt gereist: "Überall dorthin, wo verschiedene Erdzeitalter an der Oberfläche sichtbar sind", erzählt er. Die Autoren (allesamt Geologen) greifen zu einem Kunstgriff: Sie lassen Suess posthum ein Buch schreiben und zitieren seine wissenschaftlichen Thesen, die bis heute gültig sind. Und das sind nicht wenige.

Großer Geologe

"Eduard Suess war einer der größten Geologen", sagt Thomas Hoffmann, Paläontologe und Co-Autor des Buches. 1831 in London geboren, in Prag aufgewachsen, kam er viersprachig nach Wien. "Somit konnte er die Schriften der Kollegen von überall auf der Welt lesen, er war neugierig, gebildet und zur richtigen Zeit im richtigen Alter. 1848 kam es zur Revolution, durch die der Metternichsche Polizeistaat endete. Danach begann Suess zu studieren – als Wien sich öffnete und Aufbruchstimmung herrschte."

^Suess ist Vater der modernen Geologie. Auf dem Bild: Sedimente in Spanien - Foto: /Lammerhuber Mit 25 Jahren bestellte ihn Kaiser Franz Joseph I. zum außerordentlichen Professor für Paläontologie an der Universität Wien, obwohl Suess weder Doktortitel noch Lehrbefugnis hatte. Er war aber auch außergewöhnlich, denn viele seiner bahnbrechenden wissenschaftlichen Thesen haben bis heute Gültigkeit: Suess postulierte, dass die Alpen durch seitliches Zusammenschieben der äußeren Erdrinde entstanden seien und nicht durch Vulkanismus. Er fand heraus, dass bestimmte Farne in Fossilien Afrikas, Südamerikas und Indiens zu finden waren und schloss daraus, dass es einst einen großen, gemeinsamen Kontinent gegeben haben müsse – Gondwana-Land. Den Ozean rund herum nannte er Tethys. Und auch die Namen "Atmosphäre" (Lufthülle), "Hydrosphäre" (das auf der Erde befindliche Wasser), "Lithosphäre" (die Gesteinsschicht) und "Biosphäre" (alles Lebende) dürften vielen Menschen vertraut sein. Ihr Wortschöpfer: Eduard Suess. Irgendwann kommuniziert der Forscher, dass Brunnen in der Nähe von Friedhöfen wohl nicht so gut seien. Die Wiener versorgten sich damals großteils mit Wasser aus Grundwasser-Brunnen, die durch Leichenwässer kontaminiert waren. Suess erkannte, dass das der Grund für die vielen Typhus-Erkrankungen war und entwickelte einen Plan: Er wollte die Quellen im Rax- und Schneeberggebiet anzapfen, um eine Hochquellwasserleitung zu bauen. Mehrmals wurde er als Narr bezeichnet. Man versuchte sogar, ihn mit Bestechungsgeld umzustimmen.

Suess baute die Hochquellwasserleitung - Foto: /Lammerhuber Vergeblich: Am 24. Oktober 1873 schoss das Hochquellwasser auf sein Signal vor den Augen des Kaisers aus dem Hochstrahlbrunnen am Wiener Schwarzenbergplatz "vierzig bis fünfzig Meter hoch in die Sonne auf, und ein Regenbogen umspannte die Szene", schrieb Suess in seinen Erinnerungen. Damit nicht genug der Suess’schen Visionen. "Er hat Alois Negrelli beim Bau des Suez-Kanals beraten und ihn gebeten, er möge ihm doch sein Baugerät schicken, wenn er es nicht mehr benötige. Er brauche es zum Bau seines Entlastungsgerinnes", erzählt Lammerhuber. "Eduard Suess hat die Donauinsel vorausgedacht."

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