Ein gesegnetes friedvolles Weihnachtsfest

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Eine “etwas andere” Weihnachtsgeschichte.....

Im Himmel herrschte knisternde Spannung.

Die Engel, sonst in der Regel mit durchaus gesetztem Ernst, gelegentlich auch ungezwungen fröhlich, ab und an untereinander streitend, schlichen nur noch auf Zehenspitzen über den Wolken einher. (Das war eigentlich völlig unnötig, denn die Wolken waren soooo weich, daß sie eh jeden Schritt ins Unhörbare dämpften).
Sie wagten kaum noch ein lautes Wort zu sagen, schauten sich beim Vorübereilen bedeutungsvoll an und nickten sich zu nach dem Motto: ”JAA, jetzt - ist - es - bald - soweit!”
Es war eine Spannung, die man vielleicht mit der vergleichen kann, wenn man das erstemal in seinem Leben einen Käsekuchen backt und einen stundenlang die Frage beschäftigt, ob er in sich zusammenfällt oder nicht – und ähnlich der Unruhe, die der Hobby-Heimwerker kennt, der den Rasenmäher in alle Einzelteile zerlegt und wieder zusammengesetzt hat und sich bang vor dem Moment fürchtet, wenn er ihn das erste Mal wieder startet.
JAAA eine solche Spannung hatte die Engel befallen, und schlimmer noch.
Und sie hatten, weiß Gott, Grund genug dazu. Gottvater nämlich hatte vor einiger Zeit entschieden, es wäre nun wirklich höchste Zeit, seinen Sohn als Botschafter des göttlichen Willens auf die Erde zu schicken, damit die Menschen endlich Frieden halten untereinander. Die Augen sollten ihnen dafür geöffnet werden, was es heißt, menschlich zu leben; ihr Leben an der Liebe auszurichten und nicht an Reichtum und Macht.
Eine gute Idee, meinten die Himmelsbewohner übereinstimmend. (Bis auf einige wenige, die maulend in der Ecke standen, v o l l e r Überzeugung, j e d e r Versuch, den Menschen so was nahe zu bringen, sei sowieso von vornherein zum Scheitern verurteilt.)
Nun also stand dieser große Moment praktisch vor der Tür. Vor knapp neun Monaten waren die Engel auf die Erde gereist, und hatten dort Maria verkündet, daß SIE die Auserwählte sei. Es hatte dann noch ein wenig Schwierigkeiten mit ihrem Verlobten gegeben (mußte sich Gott auch gerade eine u-n-v-e-r-h-e-i-r-a-t-e-t-e Frau aussuchen? Einige Engel konnten das Kritisieren eben nicht lassen), aber: das hatte man schließlich in den Griff bekommen.
Der Geburt Gottes als Mensch konnte man also nun demnächst entgegensehen.
Die Augen der Engel richteten sich immer öfter und immer häufiger auf DAS Stück Erde, wo das große Ereignis stattfinden sollte. Maria hatten sie in der letzten Zeit ein wenig aus den Augen verloren, aber - das würde schon alles seinen Lauf gehen.
Die ersten Engel waren schon unterwegs, um ja rechtzeitig zur Stelle zu sein, wenn der Gottessohn das Licht der Welt erblickte. Auf den ausdrücklichen Wunsch von Gottvater waren keine kirchlichen Würdenträger informiert worden. Sein Sohn sollte nicht in einem Tempel, an fürstlichem Hof aufwachsen, sondern leben und zur Welt kommen, wie die meisten Menschen in diesem Land lebten und zur Welt kamen. Ihnen sollte sein Sohn die Botschaft Gottes bringen, die Botschaft der befreienden Liebe Gottes für die Menschen. Die Tage vergingen - der große Augenblick rückte näher – nichts geschah.
Die Spannung der Engel wuchs ins Unerträgliche!
Die Engel, die für den Erdenauftrag abgeordnet waren, flogen immer nervöser hin und her. Schließlich, als sich nach einer Woche immer noch nichts getan hatte, fing das Wispern, das Flüstern an.
Die Engel steckten die Köpfe zusammen, Fragen wurden laut, Verunsicherung machte sich breit. Die Erdengel schickten verwirrt einen Abgeordneten in den Himmel zurück mit der Frage, was zu tun sei. Erste Gerüchte kamen in Umlauf: “Die Erdengel hätten nicht genau genug beobachtet” – sagten die Himmelsengel.
“Der Verkündigungsengel habe seinen Auftrag nicht ordentlich erfüllt” – sagten die Erdengel. - Man kennt das ja, dieses Hin und Her. Aber: ereignen tat sich: nichts!!
Tage, Wochen vergingen. Bis eines Tages plötzlich ein atemloser Engel in den Himmel gerast kam, die Flügel zerzaust vom raschen Flug, die Backen gerötet vom Flugwind. Man hatte Maria entdeckt, die gemütlich in ihrer guten Stube saß, strickend!!! Kein Kleinkind um sie herum war zu sehen, keine Windeln hingen auf der Leine, und Maria selbst zeigte keinerlei Anzeichen einer Schwangerschaft. Ratlosigkeit breitete sich aus. Natürlich schickte man noch einen wirklich zuverlässigen Engel hinunter, um diese Geschichte nachzuprüfen – aber man ahnte schon, daß sie stimmen würde. Jesus war nicht zur Welt gekommen, wenigstens nicht da, wo er sollte.
Wo aber war er????
In ihrer Ratlosigkeit schickten die Engel eine Abordnung zu Gottvater. Dies wagten sie äußerst selten, so groß war ihre Ehrfurcht. Aber sie wußten sich nicht mehr zu helfen – ob er Rat wüßte?
Mit hängenden Köpfen und langen Gesichtern kamen die Engel zurück. Die Wohnungstür, die sonst immer einladend offen stand, war zugesperrt, ein Schild an der Klinke: “Vorübergehend außer Haus – Gottvater”.
Von Gott war also derzeit keine Hilfe zu erwarten, man mußte wohl oder übel selbst zur Tat schreiten.
Wo ist Gottsohn ?!?– das schien wohl die Kernfrage des Problems zu sein. Irgendwo mußte er doch sein! Und so fing generalstabsmäßig das große Suchen an. Ein Engel hatte die hervorragende Idee, die Erde in Längen- und Breitengrade einzuteilen, um so je einer Engelsgruppe ihr Suchgebiet besser zuweisen zu können, denn: die Erde als Ganzes war ja doch ein wenig unhandlich. Und so s u c h t e n die Engel landauf, landab – sie schauten in die römischen Tempel und die Hütten der chinesischen Landarbeiter, sie kamen in das indianische Pueblo und den Negerkral in Zentralafrika, suchten bei den Kelten in Irland und bei den Griechen in Sparta.
Sie lernten dabei den Himalaja und die Anden kennen, Grönland und die Philippinen, waren am Baikalsee und am Titicaca-See... und dabei erfuhren sie vieles über das menschliche Leben, was sie nicht gewußt hatten. Sie sahen Armut und Elend, Not und Kriege, Hunger und Sklaverei... Nicht die Liebe regierte die Welt, sondern Haß und Neid. Die Botschaft Gottes wäre so notwendig in dieser Welt gewesen! Und selbst die dickköpfigsten Engel sahen jetzt ein, daß Gottvater recht hatte, als er darauf bestand, daß sein Sohn nicht in einem Tempel, nicht bei einem König zur Welt kommen sollte.
Die Menschen in ihrer Armut brauchten die Botschaft. Die Engel suchten. Immer kleiner wurden die Dörfer, immer ärmer die Bewohner der Hütten... Gottes Sohn aber wurde nicht gefunden.
Im Jahre 5 der Zeitrechnung nach der vermeintlichen Geburt des Sohnes Gottes, trafen sich die Engel erstmals wieder vollzählig im Großen Himmelssaal. Eine Himmelskonferenz war einberufen worden. Resigniert waren sie ob der erfolglosen Suche, ratlos – und betroffen von dem, was sie auf der Erde gesehen hatten. Gottes Botschaft war nicht angekommen. Macht und Haß regierten die Welt. Was aber war nun die Aufgabe der Engel?
Nur im Himmel hin- und herfliegen, auf Wolken herumsitzen, brachte wenig Sinn... Nach vielem Gerede wurde es still... bis ein Engel schließlich zornig sagte:
”Also, mir reicht das Geschwätz. Ich kann das Elend da unten auf der Erde nicht länger ansehen. Wenn Gottes Sohn verlorengegangen ist, dann müssen wir es eben selbst machen. Ich jedenfalls schau nicht länger zu!!” – Sprach’s, packte ein Stück Himmel ein und flog zur Erde, zurück zur Atlantikküste, wo er vor einigen Tagen die große Sturmflut miterlebt hatte. Dort ist das Stück Himmel sicher besser am Platz, dachte er, und seine beiden Hände würden genug zu arbeiten, aufzubauen und zu trösten haben.
Sein beherztes Beispiel setzte Zeichen – nach kurzer Zeit der Betroffenheit sahen sich die Engel an, und jedem von ihnen kam die Erdensituation ins Bewußtsein die er verlassen hatte, als man die Himmelskonferenz einberief.
”Reden allein bringt uns nicht weiter”, rief ein anderer Engel, packte sich eine Wolke ein und verschwand – und noch einer - und noch einer. Schließlich saßen nur noch zwei oder drei schlechtgelaunte Engel auf einer kleinen Wolke, die ihnen verblieben war, und starrten sich mißmutig und unzufrieden an. Sie konnten sich nicht entschließen, dem Beispiel der anderen zu folgen. Sie haßten es, wenn ihr weißes Kleid dreckig wurde, wenn die Fingernägel abbrachen.
Die anderen Engel aber landeten auf der Erde, --überall dort, wo Not am Mann war-- und packten ein Stück Himmel aus. Sie griffen zu, wo es notwendig war, trösteten, wo Trauer war, hörten zu, wenn zugehört werden sollte, teilten ihr Brot, wenn jemand Hunger hatte, hatten Zeit, wenn jemand Zeit brauchte und kämpften für Gerechtigkeit, wo Ungerechtigkeit herrschte. Und da, wo sie waren, wurde das Dunkel ein wenig heller, in der Kälte brannte ein Feuer, waren Einsame nicht mehr allein.
Seit dieser Zeit ist Weihnachten nicht mehr nur ein Tag von 365 Tagen, seitdem wird Gott nicht nur in einem Menschen Mensch – seitdem geschieht Weihnachten überall und jederzeit dort, wo ein Stück Himmel auf Erden aufblitzt, die Liebe die Oberhand gewinnt, Menschen die kleine und große Not des Menschen sehen und handeln!!!.
Gott wird Mensch – jeden Tag und jederzeit. Und jeder Mensch ist gefragt, in einem solchen Sinne dem anderen Menschen Mensch zu sein.
Sie wollen noch wissen, was aus den drei mißmutigen Engeln auf der verbliebenen Wolke geworden ist????? Ich will’s Ihnen verraten: Sie haben sich zerstritten, hoffnungslos!! – Jeder sitzt auf seiner Wolkenseite, verteidigt sein Revier bedingungslos, starrt einsam-arrogant in die Weite des Alls – und wenn man ganz genau hinschaut, wachsen ihnen kleine Hörner aus dem Kopf heraus.
Und was denn nun mit Gottes Sohn wirklich war, wollen Sie wissen?
Sie sind auch gar nicht neugierig, wie????
“Jesús” ist grade sechs geworden, lebt mit elf Geschwistern in einem kleinen Andendorf, formt kleine Täubchen aus Lehm – und ab und an, wenn er mal wieder einem seiner Engel begegnet, ohne dass der ihn erkennt, schmunzelt er zufrieden in sich hinein......

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